Der vermutlich erste Beleg eines Einsatzes des Ortsverbandes Bingen findet sich in der Ausgabe von November 1954 der Monatszeitschrift "Das Technische Hilfswerk". Auf Seite 20 ist darin der Aufruf des damaligen Binger Bürgermeisters Dr. Gebauer abgedruckt, der den Helfern des OV für die während eines Unwetters am 7. September 1954 geleistete Hilfe dankte. Von 50 Helfern seien 33 in kürzester Zeit zur Stelle gewesen.

Abschrift des Aufrufes des Bürgermeisters Dr. Gebauer:

Dank für das THW in Bingen 

Nachstehend geben wir einen Aufruf des Bürgermeisters von Bingen, Dr. Gebauer, wieder, zu dem sich jeder Kommentar erübrigt:

  „An alle Beamten, Angestellten und Arbeiter der Stadtverwaltung und der Stadtwerke Bingen.
Das Unwetter am 7. September hat wieder bewiesen, wie dringend notwendig es ist, zur Abwendung der Not und Gefahr eine gut organisierte technische Hilfsleistungsmannschaft in Bereitschaft zu haben. Zum ersten Male habe ich zur schnellen Beseitigung der gröbsten Schäden auch den Ortsverband des Technischen Hilfswerks zur Hilfeleistung herangezogen. Von 50 freiwilligen Helfern waren in kürzester Zeit 33 zur Stelle. Ich hätte es mir ersparen können, die Beamten, Angestellten und Arbeiter der Stadt zur Hilfeleistung aufzurufen, wenn dem THW, mit dessen Leitung in Bingen Herr Werkleiter Köster beauftragt ist, mehr freiwillige Helfer zur Verfügung gestanden hätten.
Ich richte daher an alle Beamten, Angestellten und Arbeiter der Stadtverwaltung und der Stadtwerke die dringende und herzliche Bitte, sich dieser Hilfsorganisation (THW) zur Verfügung zu stellen und freiwillig mitzuarbeiten, soweit sie nicht schon Angehörige der freiwilligen Feuerwehr du des Deutschen Roten Kreuzes sind.
Hilfe können Männer jeden Alters leisten; benötigt werden Männer aller Berufsgruppen. Für die notwendige Ausrüstung und Schutzbekleidung der Helfer sorgt die Bundesanstalt THW.
Befürchtungen, daß die THW-Angehörigen als Streikbrecher eingesetzt werden könnten, braucht niemand zu haben, da selbstverständlich jeder Einsatz freiwillig ist.
Anmeldungen zum THW nimmt Herr Werkleiter Köster entgegen. Ich selbst wäre glücklich, wenn dieser Aufruf bei allen städtischen Bediensteten zum Wohle unserer Stadt und unserer Bürgerschaft ein starkes Echo findet.“

Mit der Leitung des Ortsverbandes war zu dieser Zeit der Leiter der Stadtwerke, Herr Köster, betraut. Die Ausstattung – ein paar Arbeitsanzüge und Stiefel, einige Leinen, Leitern und Werkzeuge – waren im ehemaligen städtischen Weingut in der Rochusstraße untergebracht. Hier wurden auch die ersten Ausbildungsabende, unter anderem durch den stellvertretenden Ortsbeauftragten Ing. Veldenzer und die Helfer Bucher und Traut, in späteren Jahren auch durch Günter Berg durchgeführt. Eigene Fahrzeuge, geschweige denn Räumlichkeiten besaß der Ortsverband in dieser Zeit nicht.